Ein US-Start-up will die Business-Aviation neu definieren – und setzt dabei auf Physik statt auf Luxus allein. OTTO Aerospace verspricht mit der Phantom 3500 einen Businessjet, der 60 Prozent weniger Treibstoff verbraucht als vergleichbare Modelle. Das Geheimnis: eine tropfenförmige Rumpfkonstruktion, die laminare Strömung ermöglicht. Ermöglicht wird das Projekt durch ein erfahrenes Managementteam und eine milliardenschwere Finanzierung. Der hochwertige Innenraum kommt aus Österreich, von F/LIST.
Von außen wirkt das Flugzeug eher wie ein übergroßer Tropfen als ein klassischer Business-Jet. Genau darin liegt das Geheimnis von OTTO Aerospace: Das US-Unternehmen setzt auf eine kompromisslos aerodynamische Form, um den Luftwiderstand drastisch zu reduzieren und damit Treibstoffverbrauch, Betriebskosten und CO₂-Emissionen deutlich zu senken. Mit dem Technologiedemonstrator Celera 500 und dem neuen Geschäftsreiseflugzeug Phantom 3500 verfolgt das Unternehmen einen ungewöhnlichen Ansatz, der sowohl Investoren als auch die Luftfahrtindustrie aufmerksam macht. Der hochwertig gestaltete und an die Flugzeugstruktur angepasste Innenraum kommt aus Österreich: Von F/LIST, dem Spezialisten für luxuriöse Innenausstattungen für Business- und Privat-Jets sowie exklusive Residenzen.
Von einem Physiker gegründet
OTTO Aerospace wurde 2008 von dem Ingenieur und Physiker William („Bill“) Otto gegründet. Zuvor hatte Otto unter anderem für North American Aviation gearbeitet und später mit Otto Laboratories ein international tätiges Ingenieurbüro aufgebaut. Seine Idee war es, Geschäftsflugzeuge so effizient zu machen, dass private Flugreisen wirtschaftlicher und zugleich umweltfreundlicher werden.
Das Unternehmen befindet sich weiterhin in privater Hand. Bill Otto gehört zu den maßgeblichen Eigentümern; sein Sohn Bill Otto Jr. sitzt im Verwaltungsrat und war über viele Jahre an Entwicklung, Finanzierung und Unternehmensaufbau beteiligt. Inzwischen wird das operative Geschäft von einem erfahrenen Managementteam geführt.
Flugzeugdesign mit laminarer Strömung
Schon der Prototyp Celera 500 fiel durch seine außergewöhnliche Form auf. Der Rumpf erinnert eher an einen stromlinienförmigen Tropfen oder ein Ei als an ein klassisches Flugzeug. Diese Bauweise verfolgt ein klares Ziel: möglichst große Bereiche des Flugzeugs sollen von laminarer Strömung umflossen werden. Dabei bleibt die Luft über einen längeren Abschnitt ohne Verwirbelungen an der Oberfläche, wodurch der Luftwiderstand erheblich sinkt.
Hinzu kommen:
- ein besonders schlanker Hochleistungsflügel,
- ein glatter Rumpf aus Verbundwerkstoffen,
- integrierte Winglets,
- sowie eine aerodynamisch optimierte Heckpartie.
Beim neuen Phantom 3500 überträgt OTTO dieses Prinzip auf einen modernen Businessjet. Nach Unternehmensangaben soll das Flugzeug bei ähnlicher Reisegeschwindigkeit rund 60 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als heutige Flugzeuge seiner Klasse.
Der Antrieb
Der ursprüngliche Celera-500-Prototyp wurde von einem RED A03-Zwölfzylinder-Dieselmotor mit Druckpropeller angetrieben. Die Propellerschraube sitzt am Heck und arbeitet dadurch in einer besonders günstigen Luftströmung. Der Motor kann unter anderem mit Jet-A-Kraftstoff betrieben werden.
Für den neuen Phantom 3500 verfolgt OTTO dagegen ein anderes Konzept. Das Flugzeug erhält zwei Turbofan-Triebwerke im Heck und erreicht damit Geschwindigkeiten im transsonischen Bereich. Trotz der Jet-Antriebe soll der Verbrauch aufgrund der extrem aerodynamischen Auslegung deutlich unter dem heutiger Geschäftsreiseflugzeuge liegen.
Luxus-Interieur aus Österreich
Beim exklusiven Interieur arbeitet OTTO Aerospace mit dem österreichischen Spezialisten F/LIST zusammen. Das Unternehmen zählt weltweit zu den renommiertesten Ausstattern für Business-Jets, VIP-Flugzeuge, Yachten sowie exklusive Residenzen.
Bemerkenswert ist, dass F/LIST bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase eingebunden wurde. Dadurch sollen Kabinenmöbel, Verkleidungen und Leichtbaukomponenten direkt mit der Flugzeugstruktur abgestimmt werden. Ziel ist es, Gewicht einzusparen und gleichzeitig einen hochwertigen Innenraum zu schaffen.
Xenia Bauer-Neuhaus