Motorensymposium: Autoindustrie braucht resilientes Technologieportfolio

v.l. Niklas Klingenberg, Stefan Pischinger, Donghee Han, Ruiping Wang, Bernhard Geringer © ÖVK/Ranger

Die Automobilindustrie sucht in der Transformation zur klimaverträglichen Mobilität nach strategischer Belastbarkeit statt technologischer Eindeutigkeit. Beim Wiener Motorensymposium zeichnen führende Vertreter aus Industrie und Forschung das Bild einer Branche, die auf ein breit aufgestelltes Technologieportfolio setzt, um regulatorische Vorgaben, volatile Energiemärkte und unterschiedliche regionale Nachfrageprofile auszubalancieren. Im Vordergrund stehen dabei nicht nur Elektroantriebe, sondern auch modulare Plattformen, alternative Antriebssysteme und digital gestützte Entwicklungsansätze. Der Tenor: Wer global bestehen will, muss technologisch diversifiziert und anpassungsfähig bleiben.

Zu einer neutralen und gesamthaften Antriebsdiskussion, die sowohl die Energieverfügbarkeit als auch deren gesamten Treibhausgasausstoß – und nicht nur den reinen Antrieb – berücksichtigt, rief heute der Vorsitzende des Österreichischen Vereins für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK), Univ.-Prof. Dr. Bernhard Geringer, bei der Eröffnung des 47. Internationalen Wiener Motorensymposiums in der Wiener Hofburg auf. Rund 100 Vortragende sowie 1.000 Gäste aus mehr als 20 großen „Auto-Nationen“ wie z.B. China, Deutschland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Korea oder USA geben in der Wiener Hofburg drei Tage lang einen Überblick über die neuesten Entwicklungen bei Antriebstechnologien für Personenkraft- , Nutz- und Schienenfahrzeuge, aber auch Schiffe oder Flugzeuge: „Die Vorträge kommen heuer erstmals zu fast 50 Prozent von Herstellern, also OEMs“, freut sich Geringer ebenso über das „bislang breiteste Themenspektrum“, das es bei den Einreichungen für Fachvorträge jemals gab.

Bereits am Tag vor der offiziellen Eröffnung des Symposiums fand unter dem Titel „Forum on
Powertrain for Sustainable Mobility“ eine eigenständige Fachveranstaltung des ÖVK in
Kooperation mit der chinesischen Organisation der „Society of Automotive Engineers“ (SAE),
China SAE, in Wien statt.

China: Größter Automarkt mit „Roadmap 3.0“

Extra aus China angereist kam Ruiping Wang, Senior Vice President Geely Auto. Sie gewährte
Einblicke in den chinesischen Markt: „Als weltweit größter Automobilmarkt steht Chinas
Automobilindustrie an der Spitze der groß angelegten Elektrifizierungsentwicklung. Während die
rasche Einführung von Fahrzeugen mit neuen Energien beibehalten wird, beschleunigt der
Sektor, gestützt durch die Digitalisierung, seinen Wandel hin zu KI gesteuerter Intelligenz.“
Die Top-Managerin sagte weiters: „China veröffentlichte im Vorjahr eine ‚Roadmap 3.0 für
energiesparende neue Kraftfahrzeugtechnologien‘, die die künftigen technologischen Wege des
Landes im Bereich der neuen Energien definiert. Wir fokussieren somit künftig vor allem auf
Kernbereiche wie hocheffiziente Antriebsstränge, Batterien, Elektromotoren, elektronische
Steuerungen und Anwendungen künstlicher Intelligenz.“

Pischinger: Keine binäre Entscheidung

In eine ähnliche Kerbe schlug der Institutsleiter des Lehrstuhls für Thermodynamik mobiler
Energieumwandlungssysteme, RWTH Aachen, sowie Aufsichtsratsvorsitzende von FEV, Univ.-
Prof. Stefan Pischinger: „Die Diskussion über Antriebstechnologien wird noch zu häufig als
‚Entweder-oder‘ geführt. Die Realität der globalen Transformation ist jedoch keine binäre
Entscheidung, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Regulierung, Marktanforderungen,
technologischer Reife und industrieller Umsetzungsgeschwindigkeit. “Die Konsequenz für die
Industrie sei daher eindeutig: „Wir sollten nicht über ‚den‘ Antrieb der Zukunft sprechen,
sondern über ein robustes, resilientes Technologieportfolio.“

Kultur der Bescheidenheit

Aus der Republik Korea kam Donghee Han, Executive Vice President der Hyundai Motor
Company
, nach Wien. Er erläuterte: „Hyundais Weg im Bereich der Antriebstechnik ist nicht nur
von technologischen Meilensteinen geprägt, sondern auch von einer Kultur der Bescheidenheit.
Wir folgen dabei der Erkenntnis, dass wir am stärksten wachsen, wenn wir von der Welt um uns
herum lernen. Die auffordernde Frage unseres Gründers ‚Habt ihr es überhaupt versucht?‘,
inspiriert uns weiterhin bei unserem Streben nach Elektro-Antriebs- und Range-Extender-
Technologien der nächsten Generation, während wir eine zukunftssichere Vision für Mobilität
gestalten.“

Modulare, skalierbare Architektur

Über die „Zukunft des Antriebsstrangs“ bei Nutzfahrzeugen sprach Niklas Klingenberg,
Vorstandsmitglied der TRATON Group, zu der die vier Marken Scania, MAN, International Auto
sowie Volkswagen Truck & Bus gehören: „Unter dem Dach der TRATON Group R&D mit 12.000
Mitarbeitern entsteht das TRATON Modular System für unsere vier Marken. Es vereint
batterieelektrische, konventionelle und alternative Antriebsstränge in einer modularen,
skalierbaren Architektur. Das ermöglicht die Nutzung technologischer Synergien und eine
effiziente Bündelung der Entwicklungsarbeit. Zugleich erlaubt die Modularität eine flexible
Anpassung an geopolitische und technologische Veränderungen.“

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