Mitarbeiterbindung unter Druck: Hohe Wechselbereitschaft steigt

© Pexels

Der österreichische Arbeitsmarkt ist zunehmend von widersprüchlichen Entwicklungen geprägt: Während viele Beschäftigte – insbesondere Jüngere – einen Jobwechsel planen, bleibt die tatsächliche Mobilität gering. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen an Arbeitgeber deutlich, wodurch Themen wie Arbeitsklima, Work-Life-Balance und Mitarbeiterbindung immer stärker in den Fokus rücken.

Während bei den älteren Arbeitnehmern eine Pensionierungswelle naht, suchen die nachrückenden Jungen vermehrt nach beruflicher Neuorientierung: Aktuell wollen 29 Prozent der Generation Z im nächsten Halbjahr den Job wechseln, verglichen mit nur 7 Prozent der Babyboomer. Aber: Die tatsächlichen Jobwechsel sind insgesamt zurückgegangen, nur 11 Prozent der Befragten haben in den letzten sechs Monaten eine neue Stelle gefunden. Das ist einer der wesentlichen Trends aus der neuen Arbeitsmarktstudie „Employer Brand Research 2026“, für die der internationale Personaldienstleister Randstad kürzlich mehr als 4.300 Arbeitnehmer zwischen 18 und 65 Jahren in Österreich befragt hat.

Wechselwunsch steigt, tatsächliche Jobwechsel bleiben gering

Themen sind etwa die Einschätzung des aktuellen Arbeitgebers im Vergleich zum Idealbild oder Gründe für Jobwechsel. Dabei zeigt sich, dass die Wechselwilligkeit trotz der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt im letzten Jahr zugenommen hat: So plant etwa jeder Fünfte (19 Prozent) mittlerweile eine Neuorientierung im nächsten Halbjahr – ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. In der Generation Z (1997-2012), die es aktuell wohl am schwersten hat, überhaupt einen Job zu finden, suchen sogar drei von zehn Personen (29 Prozent) nach einer neuen Herausforderung, während bei den Babyboomern (Jahrgänge bis 1964) dies nur 7 Prozent angaben. Gleichzeitig haben in den vergangenen sechs Monaten insgesamt nur 11 Prozent der Befragten wirklich den Job gewechselt – ein Rückgang um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr.

„Die Absicht, den Arbeitsplatz zu wechseln, ist in Österreich nach wie vor deutlich höher als das tatsächliche Wechselverhalten. Diese Schere ist im vergangenen Jahr noch weiter auseinandergegangen. Das deutet darauf hin, dass der wahrgenommene Mobilitätsdruck stärker ist als die tatsächliche Mobilität“, erklärt Bjørn Toonen, Managing Director von Randstad Österreich.

Gehalt als Hauptgrund für Kündigung

Auch heuer wieder hat Randstad die aktuellen Gründe für Jobwechsel eruiert: Eine zu geringe Vergütung (47 Prozent) ist nach wie vor der mit Abstand wichtigste Grund, warum Arbeitnehmer das Unternehmen verlassen würden, gefolgt von einem negativen Arbeitsumfeld (37 Prozent), mangelndem Interesse an der Tätigkeit (32 Prozent) und Bedenken hinsichtlich der Work-Life-Balance (30 Prozent). Letztere spielt vor allem für jüngere Talente eine große Rolle. Ein Drittel von ihnen würde ihren Arbeitsplatz verlassen, um eine bessere Work-Life-Balance zu erreichen, verglichen mit etwa einem Viertel der älteren Arbeitnehmer*innen.

„Mit dem demographischen Wandel verändern sich auch die Erwartungen, Werte und Wünsche von Arbeitskräften. Die Bedeutung eines zu geringen Gehalts als Hauptgrund für einen Jobwechsel steigt mit dem Alter, von rund 44 Prozent bei der jüngeren auf rund 52 Prozent bei der älteren Generation. Insgesamt zeigt sich: Mitarbeiterbindung basiert auf einem Zusammenspiel aus attraktiver Vergütung und einer positiven Alltagserfahrung. Wer die täglichen Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben vernachlässigt, riskiert trotz fairer Bezahlung den Verlust von Talenten“, sagt Toonen.

Arbeitsklima bei der Arbeitgeberwahl erstmals wichtiger als Gehalt

Zwar spielt Geld bei der Entscheidung gegen den aktuellen Arbeitgeber die mit Abstand wichtigste Rolle, bei den Kriterien für einen neuen Job ist das Gehalt jedoch erstmals nicht auf Platz 1. Wichtiger ist den Österreichern mittlerweile das angenehme Arbeitsklima (68 Prozent), knapp vor der Vergütung und der Jobsicherheit (jeweils 66 Prozent). „Eine angenehme Arbeitsatmosphäre ist mit 68 % der am häufigsten erwartete Faktor im Profil des idealen Arbeitgebers, doch die aktuellen Arbeitgeber schneiden hier mit 57 Prozent wesentlich schlechter ab, was eine signifikante Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufzeigt“, so Toonen. Zu den Top 5-Kriterien eines idealen Arbeitgebers gehören mit etwas Abstand auch die „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“ (56 Prozent) sowie „interessante Aufgaben“ (52 Prozent).

Top-Arbeitgeber 2026: Linzer Kepler Universitätsklinikum erstmals auf Platz 1

Darüber hinaus ermittelt der „Employer Brand Research“ von Randstad jedes Jahr auch, welche Unternehmen als attraktivste Arbeitgeber des Landes wahrgenommen werden. Nachdem AVL List das Ranking über die letzten drei Jahre angeführt hatte, tauscht der Grazer Automobilzulieferer dieses Jahr die Plätze mit dem Linzer Kepler Universitätsklinikum, das nach dem dritten Platz im Vorjahr heuer erstmals gewinnt. Mit Siemens Energy auf Platz 2 und Siemens auf Platz 4 landet der Technologiekonzern gleich zweimal im Spitzenfeld. Auf Platz 5 folgt Fronius, das erstmals in der Liste der Top-Arbeitgeber aufscheint. BMW Österreich (7. Platz) und VAMED (9. Platz) konnten sich im Vergleich zum letzten Jahr leicht verbessern. Takeda (6. Platz), der Flughafen Wien (8. Platz) und Infineon (10. Platz) schaffen dieses Jahr das Comeback in die Top Ten.

(pi)

Upcoming events