Kostendruck im Güterverkehr: Wer trägt die Last?

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Gestiegene Energie- und Mautkosten, ein struktureller Fahrermangel und geopolitische Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus erhöhen den Druck auf Speditionen und Verlader gleichermaßen. Eine aktuelle Umfrage des Logistikdienstleisters TIMOCOM zeigt, wie unterschiedlich die rund 270 befragten Unternehmen mit dieser Lage umgehen und welche Geschäftsmodelle sich als widerstandsfähig erweisen.

Der europäische Straßengüterverkehr befindet sich in einer Phase erhöhter Anspannung. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Logistik-Plattformanbieters TIMOCOM unter 270 Fachexperten aus Speditionen, Transportunternehmen sowie Produktion und Handel. 52,4 Prozent der Befragten bewerten die aktuelle Marktlage für ihr Unternehmen als eher schlecht oder sehr schlecht – gegenüber 42,0 Prozent bei der vorherigen Erhebung im Januar und Februar 2026. Die negativen Beurteilungen stiegen damit um 10,4 Prozentpunkte an, die positiven sanken entsprechend.

Die Verschlechterung der Stimmungslage fällt in eine Phase geopolitischer Unsicherheit. Die Eskalation im Nahen Osten und Einschränkungen an der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Seewege für Energieträger – erhöhen die Beschaffungskosten und erschweren die Transportplanung. Besonders Unternehmen mit hohem Spotmarktanteil – also solche, die Frachten kurzfristig am freien Markt buchen statt über langfristige Verträge – sind von dieser Volatilität direkt betroffen.

Marktrolle bestimmt Wahrnehmung

Die Einschätzung der Lage hängt wesentlich vom Geschäftsmodell ab. Frachtführer mit eigener Fahrzeugflotte und stabilen Kundenbeziehungen berichten von guter Auslastung und ausreichend Auftragsvolumen. Verlader – also Unternehmen aus Industrie und Handel, die Transportkapazitäten einkaufen – und deren Spediteure hingegen sehen sich mit steigenden Einkaufspreisen und kurzfristigen Kapazitätsengpässen konfrontiert.

„Die Umfrage zeigt einen Transportmarkt, der nicht pauschal als schwach beschrieben werden kann, aber deutlich unter Druck steht. Entscheidend ist, aus welcher Marktposition Unternehmen auf die Lage blicken: Verlader aus Industrie und Handel bzw. deren Spediteure spüren Verfügbarkeits- und Kostendruck aktuell besonders stark, wohingegen diejenigen Dienstleister profitieren, die über eigene Kapazitäten oder ein starkes Netzwerk verfügen“, so Gunnar Gburek, Head of Business Affairs, TIMOCOM.

Die in der TIMOCOM-Frachtenbörse erfassten Transaktionsdaten untermauern die Einschätzungen der Befragten. Von Januar bis Mai 2026 lagen die durchschnittlichen Spotmarktpreise innerhalb Deutschlands durchgehend über dem Vorjahresniveau. Im März und April betrug der Aufschlag jeweils mehr als 11 Prozent. Im Mai forderten Auftraggeber im Schnitt 2,19 Euro pro Kilometer – ein Anstieg von über 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Den Spitzenwert ermittelten Auftragnehmer in Kalenderwoche 20 mit 2,36 Euro pro Kilometer.

Kostentreiber: Diesel, Maut, Fahrermangel

In den offenen Antworten der Umfrage nennen Teilnehmer wiederholt dieselben Belastungsfaktoren: knapper Laderaum, fehlende Lkw-Verfügbarkeiten und struktureller Fahrermangel auf der einen Seite, steigende Kosten für Diesel, Maut und Fahrzeugbetrieb auf der anderen. Hinzu kommen längere Lieferzeiten und erhöhter Planungsaufwand bei kurzfristigen Transportbedarfen.

„Logistikunternehmen müssen effizienter agieren, weil höhere Kosten nicht immer vollständig weitergegeben werden können. Industrie und Handelsunternehmen können nicht jede Kostensteigerung auffangen, da sie selbst unter Wettbewerbsdruck stehen und die Konsumenten nicht bereit sind, jeden Preisanstieg mitzugehen“, so Gburek.

Effizienz und Digitalisierung als Ausweg

Als strukturelle Antwort auf den Kostendruck nennt die Umfrage mehrere Handlungsfelder. Industrie- und Handelsunternehmen können durch Transportkonsolidierung und die Reduzierung kurzfristiger Sonderfahrten Kosten senken. Logistikdienstleister haben Potenzial bei der Reduzierung von Leerfahrten (Fahrten ohne Ladung) und der Optimierung der Fahrzeugauslastung. Digitale Netzwerke und KI-gestützte Tourenplanung – also der Einsatz von Algorithmen zur automatisierten Routen- und Kapazitätsoptimierung – gelten dabei als Schlüsselinstrumente. Mittelfristig könnten alternative Antriebskonzepte wie Elektro-Lkw die strukturelle Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen verringern.

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