Junge Generation treibt Kryptoboom in Österreich voran

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Kryptowährungen etablieren sich in Österreich zunehmend als reguläre Vermögenskomponente statt als reines Nischenphänomen der Tech-Avantgarde. Laut einer aktuellen BearingPoint-Studie unter mehr als 4.000 Befragten in Deutschland, Österreich und der Schweiz nutzt bereits fast jede fünfte Person in Österreich digitale Vermögenswerte zumindest gelegentlich – deutlich mehr als in Deutschland. Für Banken und Finanzdienstleister bedeutet das einen wachsenden Handlungsdruck: Wer digitale Werte nicht sicher, verständlich und regulatorisch konform zugänglich macht, riskiert, künftige Wertschöpfung an agilere Anbieter zu verlieren.

Der Unterschied zwischen den DACH-Märkten zeigt sich vor allem bei der tatsächlichen Nutzung. Während Deutschland beim Thema Kryptowährungen weiterhin zurückhaltender ist, haben digitale Vermögenswerte in Österreich bereits stärker Fuß gefasst. Die Schweiz nimmt innerhalb der Region eine Vorreiterrolle ein und erreicht sowohl bei Nutzung als auch bei der Bewertung von Kryptowährungen als Anlageform die höchsten Werte.

Österreich liegt damit zwischen der hohen Kryptoaffinität der Schweiz und der vorsichtigeren Haltung Deutschlands: „Die Schweiz ist im DACH-Vergleich nicht einfach kryptoaffiner, sondern bei digitalem Geld insgesamt entscheidungsfreudiger. Deutschland diskutiert Risiken, während Österreich und die Schweiz digitale Vermögenswerte bereits deutlich stärker nutzen und investieren. Für Banken und Finanzdienstleister ist das längst kein Randthema mehr: Wer digitale Werte nicht sicher, verständlich und regulatorisch sauber zugänglich macht, überlässt künftige Wertschöpfung anderen“, analysiert Dr. Robert Bosch, Global Leader Financial Services bei BearingPoint.

Euro und Gold bleiben wichtigste Vertrauensanker

Der Aufstieg digitaler Vermögenswerte verändert den Finanzmarkt, verdrängt klassische Wertspeicher aber nicht. 87 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher halten staatliche Währungen für ein gutes oder sehr gutes Zahlungsmittel. Der Euro bleibt damit der wichtigste Anker für Stabilität. Auch Gold genießt weiterhin hohes Vertrauen. 67 Prozent der Befragten bewerten Gold als geeignete Anlageform, 87 Prozent vertrauen seiner Preisstabilität und 65 Prozent sehen darin einen wirksamen Schutz gegen Inflation. Digitale Vermögenswerte ergänzen damit zunehmend bestehende Anlageformen. Vertrauen in etablierte Wertspeicher bleibt jedoch weiterhin entscheidend.

Junge Generationen treiben Kryptonutzung voran

Besonders stark ist die Entwicklung bei jüngeren Menschen. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen nutzt bereits mehr als ein Drittel (38 Prozent) Kryptowährungen zumindest gelegentlich. Jede bzw. jeder Fünfte (20 Prozent) verwendet sie sogar täglich. Mit zunehmendem Alter nimmt die Nutzung deutlich ab. Auch zwischen Männern und Frauen zeigt sich weiterhin ein Unterschied: Während 28 Prozent der Männer Kryptowährungen zumindest gelegentlich nutzen, sind es bei Frauen zehn Prozent.

Die Nutzung von Kryptowährungen ist in Österreich damit vor allem ein Thema jüngerer Generationen. Für eine breitere Verankerung im Markt entscheiden jedoch vor allem Vertrauen, einfache Anwendung und klare Regeln. Als größte Hürden nennen die Befragten starke Wertschwankungen (50 Prozent), regulatorische beziehungsweise steuerliche Unsicherheiten (41 Prozent) sowie die komplexe Verwahrung digitaler Vermögenswerte (35 Prozent).

„Österreich bringt gute Voraussetzungen mit, um die Entwicklung digitaler Vermögenswerte aktiv mitzugestalten. Die Offenheit der Bevölkerung ist vorhanden, gleichzeitig schafft der europäische Regulierungsrahmen mit MiCA erstmals einheitliche Spielregeln für den Markt. Das stärkt das Vertrauen und eröffnet Banken sowie Finanzdienstleistern die Chance, neue Angebote rund um digitale Vermögenswerte sicher und nachhaltig zu etablieren“, erklärt Christian Knedelstorfer, Partner bei BearingPoint.

Digitaler Euro trifft auf hohe Offenheit

Auch staatlich gestütztes digitales Geld stößt in Österreich auf Interesse. 29 Prozent der Befragten geben an, einen digitalen Euro beziehungsweise eine digitale Zentralbankwährung wahrscheinlich im Alltag nutzen zu wollen. Damit liegt die Zustimmung leicht über jener für digitales Bankengeld (24 Prozent), Stablecoins (21 Prozent) und Kryptowährungen (23 Prozent). Die Offenheit gegenüber digitalen Zahlungsmitteln reicht damit deutlich über klassische Kryptowährungen hinaus. Der Erfolg neuer Geldformen wird davon abhängen, ob sie Vertrauen schaffen und einen konkreten Nutzen bieten.

„Die Studie zeigt, dass Offenheit für digitales Geld weit über Kryptowährungen hinausgeht. Entscheidend wird sein, Innovation, Regulierung und Vertrauen sinnvoll miteinander zu verbinden. Gelingt das, können neue digitale Geldformen und die zugrunde liegende Infrastruktur einen wichtigen Beitrag zu einem modernen und leistungsfähigen Finanzsystem leisten“, so Knedelstorfer.

Kryptowährungen gewinnen strategische Bedeutung

Digitale Vermögenswerte werden zunehmend auch über ihre Rolle als Investment hinaus betrachtet. 37 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher halten es für wahrscheinlich, dass Kryptowährungen künftig eine Rolle als internationale Handels- oder Reservewährung übernehmen könnten.

In Deutschland teilen diese Einschätzung 32 Prozent, in der Schweiz sogar 45 Prozent der Befragten. Auch als Anlageklasse gewinnen Kryptowährungen an Bedeutung: 29 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sehen sie als geeignete Anlageform. Beim Thema Sicherheit und Stabilität bleiben Gold und staatliche Währungen jedoch deutlich stärker verankert.

Vertrauen entscheidet über die nächste Entwicklungsphase

Österreich zählt innerhalb der DACH-Region zu den offensten Märkten für digitale Vermögenswerte. Besonders jüngere Generationen treiben die Entwicklung voran. Gleichzeitig bleiben Euro und Gold die wichtigsten Vertrauensanker. Für Banken, Finanzdienstleister und Regulatoren ergibt sich daraus eine konkrete Herausforderung: Die technischen Voraussetzungen für digitale Vermögenswerte sind vorhanden. Entscheidend ist nun, sichere und verständliche Angebote für den breiten Markt zu entwickeln.

„Für Finanzentscheider ergibt sich daraus ein klares Bild: Kryptowährungen sind im Alltag zwar noch kein Massenphänomen, aber längst mehr als ein Nischenthema. Österreich zeigt im DACH-Vergleich eine wachsende Offenheit und verfügt über gute Voraussetzungen, die weitere Entwicklung aktiv mitzugestalten. Entscheidend wird sein, Innovation, Regulierung und Nutzerfreundlichkeit gemeinsam zu denken. Wer Vertrauen schafft und gleichzeitig den Zugang zu digitalen Vermögenswerten vereinfacht, wird die Zukunft des Finanzmarkts entscheidend mitprägen“, resümiert Dr. Robert Bosch. (pi)

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