Aufbruch zum Mond: TTTech bei Artemis II-Mission mit an Bord

© NASA/Michael DeMocker

Seit dem 2. April 2026 ist erstmals seit 53 Jahren wieder eine Crew auf dem Weg zum Mond. Die Mission Artemis II der NASA markiert einen Wendepunkt für die bemannte Raumfahrt. Erstmals kommen die Orion-Raumkapsel und das zugehörige Startsystem im Serieneinsatz zum Einsatz. Für die sichere Datenkommunikation der Lebenserhaltungs- und Steuerungssysteme zeichnet dabei ein Produkt des Wiener Unternehmens TTTECH verantwortlich.

Die Mission gilt als nächster operativer Schritt im Artemis-Programm, mit dem die NASA gemeinsam mit internationalen Partnern künftige Mondlandungen vorbereiten und langfristig auch Voraussetzungen für bemannte Marsflüge schaffen will. Artemis II ist als bemannter Flug um den Mond angesetzt und soll nach rund zehn Tagen enden.

Datennetzwerk für Orion und Servicemodul

Im Mittelpunkt steht die Datenkommunikation innerhalb der Raumfahrtsysteme. Solche Netzwerke übertragen Informationen zwischen Sensoren, Steuerrechnern und Subsystemen wie Navigation, Flugregelung oder Lebenserhaltung. In bemannten Missionen zählt diese Kommunikation zu den sicherheitskritischen Funktionen, weil Fehlübertragungen oder Ausfälle direkte Auswirkungen auf Betrieb und Sicherheit der Kapsel haben können.

TTTech liefert nach eigenen Angaben die Technologie für das Datennetzwerk in der Orion-Kapsel sowie im europäischen Servicemodul. Orion wird von Lockheed Martin gebaut, das Flugsteuerungssystem stammt von Honeywell Aerospace. TTTech verweist in diesem Zusammenhang auf eine langjährige Zusammenarbeit mit Honeywell.

Rolle Europas im Artemis-Programm

Das europäische Servicemodul, kurz ESM, wird unter Federführung der Europäischen Weltraumorganisation ESA entwickelt und von Airbus gebaut. Es versorgt Orion unter anderem mit Antrieb, Energie, Luft und Wasser. TTTech war nach Unternehmensangaben daran beteiligt, die Datenverbindungen innerhalb des Moduls sowie die Schnittstellen zur Orion-Kapsel zu testen.
Bereits bei Artemis I im November 2022 wurden Orion und das europäische Servicemodul erstmals gemeinsam im Flug erprobt. Die unbemannte Mission diente dazu, die Systeme unter realen Einsatzbedingungen für spätere bemannte Flüge zu validieren.

Für Raumfahrtanwendungen müssen elektronische Systeme besonders robust ausgelegt sein. Anders als in vielen industriellen Umgebungen sind Wartung, Austausch oder Reparatur während einer Mission nicht möglich. Hinzu kommen Belastungen durch Vakuum, starke Temperaturschwankungen und Strahlung. Christian Fidi, Leiter des Bereichs Luft- und Raumfahrt bei TTTech, beschreibt die Anforderungen so: „Im Weltall gibt es keinen ÖAMTC, keine Wartungsmöglichkeiten. Elektronische Systeme müssen so ausgelegt und abgesichert sein, dass sie nicht nur über Jahrzehnte lang einwandfrei funktionieren, sondern auch der Strahlung im Weltraum widerstehen können.“

Mit „ausfallsicher“ ist in diesem Zusammenhang gemeint, dass Systeme auch bei Störungen kontrolliert weiterarbeiten oder in einen sicheren Zustand wechseln. Die technische Auslegung solcher Architekturen ist insbesondere in Luft- und Raumfahrt, Industrie und kritischer Infrastruktur üblich.

Einordnung für Österreichs Raumfahrtindustrie

TTTech führt die Entwicklung seiner Raumfahrtlösungen auch auf Beiträge Österreichs zur ESA sowie auf Unterstützung durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG zurück. Laut Unternehmen kommen entsprechende Technologien inzwischen nicht nur bei Orion, sondern auch in Modulen des Lunar Gateway zum Einsatz, der geplanten Raumstation in einer Mondumlaufbahn.

Ob und in welchem Umfang diese Systeme in weiteren Artemis-Missionen oder in zusätzlichen Raumfahrtprogrammen eingesetzt werden, hängt von den jeweiligen Missionsprofilen und Vergaben ab. Fest steht jedoch: Mit Artemis II ist österreichische Netzwerktechnik Teil einer Mission, die für die nächste Phase der bemannten Mondfahrt eine zentrale Rolle spielt.

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