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Annette Mann, Austrian Airlines

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Annette Mann, CEO Austrian Airlines © Austrian Airlines/DBS

Die europäische Luftfahrt steht unter massivem Konsolidierungs- und Modernisierungsdruck. Steigende Betriebskosten, der Druck zur Dekarbonisierung und die wachsende Bedeutung datengetriebener Entscheidungsprozesse zwingen Europas Fluglinien zu einem tiefgreifenden Wandel. Austrian Airlines navigiert dieses Spannungsfeld aus einer operativen Stärkeposition heraus – mit pünktlichen Flügen, zufriedenen Kunden und schwarzen Zahlen –, kämpft aber gleichzeitig mit strukturellen Standortnachteilen, die Investitionen und Wachstum bremsen. xbn.news hat mit Annette Mann, Geschäftsführerin Austrian Airlines, über die strategische Bedeutung des Hubs Wien, die Herausforderungen der Dekarbonisierung und die Rolle der Digitalisierung als Effizienzhebel gesprochen.

Sie beklagten in einem Interview, dass Österreich nach Deutschland der teuerste Luftfahrtstandort sei. Sehen Sie da Hoffnung, dass Österreich – im speziellen Wien – diesbezüglich in dem einen oder anderen Bereich wieder konkurrenzfähiger wird?

Die Rahmenbedingungen am Luftverkehrsstandort Österreich gestalten sich herausfordernd. Wir bewegen uns operativ zwar im Spitzenfeld – beispielsweise bei der Kundenzufriedenheit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit – und schreiben stabil schwarze Zahlen, liegen aber dennoch mit einer Marge von 3,2 Prozent um rund 50 Prozent unter dem Durchschnitt europäischer Airlines.

Um Investitionen zu sichern und im intensiven Wettbewerb mit anderen Hubs und Airlines bestehen zu können, braucht es daher eine höhere Ertragskraft und eine Standortentlastung. Wir arbeiten weiterhin permanent daran, unsere eigenen Strukturen effizienter zu machen. Gleichzeitig fokussieren wir uns auf die Gestaltung eines wettbewerbsfähigen Luftfahrtstandortes und wir sehen hier durchaus Chancen: Wir stehen derzeit mit relevanten Luftfahrt-Partnern, insbesondere dem Flughafen Wien und der Politik, im guten Dialog. Unser Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, um den Standort langfristig in eine erfolgreiche Zukunft zu führen und nachhaltiges Wachstum sowie Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen.

Wie wichtig ist der Hub Vienna International Airport für die langfristige Entwicklung – und wo sehen Sie ungenutztes Wachstumspotenzial?

Das Drehkreuz Wien ist zentral für die langfristige Entwicklung von Austrian Airlines. Gerade in einem Umfeld mit geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten zeigt sich, wie wichtig eine resiliente Hub-Airline ist. Gleichzeitig investieren wir gemeinsam mit der Lufthansa Group stark in den Standort – etwa in neue Loungeflächen und vor allem in unsere Langstreckenflotte mit den Boeing 787-9 Dreamlinern. 10 weitere Maschinen werden bis 2028 zur Austrian Flotte kommen. Das zeigt: Wir glauben an das Zukunftspotenzial in Wien. Entscheidend ist nun, gemeinsam mit unseren Partnern und der Politik die Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts Österreich langfristig zu sichern.

Nachhaltige Treibstoffe: Was macht die AUA diesbezüglich bereits? – Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung? Sind nachhaltige Treibstoffe langfristig wirtschaftlich verantwortbar?

Nachhaltige Flugtreibstoffe – sogenannte SAF – sind ein zentraler Baustein für die Dekarbonisierung der Luftfahrt. Langfristig werden sie eine entscheidende Rolle spielen. Die größte Herausforderung sind derzeit allerdings noch Verfügbarkeit und Kosten, denn SAF ist aktuell deutlich teurer als fossiles Kerosin. Deshalb braucht es hier europäische und internationale Lösungen, um Produktion und Wettbewerbsfähigkeit weiter auszubauen.

Bei Austrian Airlines setzen wir bereits auf mehrere Hebel: auf die Beimischung nachhaltiger Treibstoffe, auf Effizienzmaßnahmen im Flugbetrieb wie optimierte Flugrouten und Gewichtsreduktion sowie auf technologische Innovationen wie die AeroSHARK-Oberflächenfolie zur Reduktion des Luftwiderstands bei unseren Boeing 777. Ein besonders wichtiger Beitrag ist außerdem unsere Flottenmodernisierung – modernere Flugzeuge verbrauchen deutlich weniger Treibstoff und senken damit auch die CO₂-Emissionen.

Kleinere Flughäfen: von Linz gibt es ja keine AUA-Flüge mehr. Wie können kleinere Flughäfen wie Klagenfurt oder auch Linz für die AUA und somit auch für Geschäftsreisende wieder interessanter gemacht werden?

Flugverbindungen müssen wirtschaftlich tragfähig sein – dafür braucht es ausreichend Nachfrage und verlässliche Rahmenbedingungen, die ebenfalls in unsere aktuellen Stakeholder-Gespräche für einen nachhaltigen Luftverkehrsstandort Österreich einfließen. Die Strecke Linz–Frankfurt war zuletzt leider nicht mehr wirtschaftlich darstellbar.

Wir stehen aber weiterhin in engem und gutem Austausch mit den Bundesländern. Im Zentrum steht eine gute Anbindung der Bundesländer und ihrer Gäste entweder über das Drehkreuz Wien oder an internationale Hubs auch im Zusammenspiel mit anderen Verkehrsträgern wie der Bahn.

Welche Bedeutung haben generell digitale Technologien – etwa personalisierte Angebote oder KI – für die Zukunft des Fliegens?

Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind für uns kein Selbstzweck, sondern entscheidende Hebel, um unsere Airline effizienter, resilienter und kundenorientierter zu gestalten. KI hilft uns bereits heute dabei, Abläufe besser zu planen – sei es im Wartungsprozess oder in der Flugplanung, Ressourcen optimaler einzusetzen und unseren Fluggästen entlang der gesamten Reise personalisierte Services anzubieten. Die Reise unserer Gäste beginnt heute lange vor dem Boarding. Digitalisierung bedeutet für uns deshalb, die gesamte Reise möglichst nahtlos zu gestalten: von der Buchung über Echtzeit-Informationen bis zur Ankunft.

Wenn Sie fünf bis zehn Jahre in die Zukunft blicken: Wie wird sich die europäische Luftfahrtlandschaft verändern?

Die europäische Luftfahrt wird sich in den kommenden Jahren weiter stark verändern – vor allem durch Nachhaltigkeitsanforderungen, steigenden Wettbewerb und technologische Innovationen. Ich bin überzeugt, dass starke Drehkreuze innerhalb Europas noch wichtiger werden, aber aufgrund des stark zu Ungunsten von EU-Airlines verzerrten globalen Wettbewerbs der wirtschaftliche Druck auf EU Hub-Systeme noch weiter steigt. Für den Wirtschaft- und Tourismusstandort Österreich ist ein gut angebundener und zukunftsfitter Hub jedenfalls ein sehr wichtiger Standortfaktor.

EU-Länder und EU-Flughäfen, die attraktive Rahmenbedingungen bieten – etwa bei Infrastruktur, Regulierung und Kostenstrukturen – werden sich besser entwickeln können als andere.

Wir werden jedenfalls alles dafür tun, gemeinsam mit dem Flughafen und der Politik den Hub Wien als internationales Drehkreuz im Wettbewerb zu stärken und Österreich weiterhin zuverlässig mit wichtigen Wirtschafts- und Tourismusmärkten weltweit zu verbinden.

Vielen Dank für das Gespräch.

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