Erfolgreiche Diversifizierung und Anleihen-Rekord 2023 an der Wiener Börse

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Die Wiener Börse AG konnte 2023 trotz verhaltener Handelsaktivität am europäischen Kapitalmarkt durch erfolgreiche Diversifizierung ein gutes Ergebnis erzielen, insbesondere dank eines Rekordjahres im Anleihenbereich. Für 2024 erwartet die Börse eine positive Entwicklung, unterstützt durch eine Vielzahl neuer Anleihen-Listings und ein günstigeres Marktumfeld für Aktien-Neuemissionen.

Die erfolgreiche Diversifizierung der Geschäftstätigkeit hat der Wiener Börse AG auch bei insgesamt verhaltener Handelsaktivität am europäischen Kapitalmarkt ein gutes Ergebnis 2023 ermöglicht. Gedämpften Aktienumsätzen stand durch einen starken Vertriebsfokus im Anleihenbereich ein Rekordjahr bei Bonds gegenüber: über 8.000 Neu-Notierungen von Anleihen verzeichnete die Wiener Börse 2023. Im Aktienbereich gab es drei neue Listings, im Top-Segment prime market die AUSTRIACARD HOLDINGS AG und die EuroTeleSites AG sowie der RWT AG im direct market plus für KMU. Mit der Barclays Bank Ireland PLC wurde im Vorjahr ein neues Handelsmitglied angebunden, heuer erhielt mit Jump Trading Europe B.V. ein weiteres internationales Unternehmen die Zulassung zum Handel in Wien.

Entwicklungspotenzial noch nicht ausgeschöpft

„Trotz der europaweit überschaubaren Handelsaktivität konnten wir die Rekordergebnisse der Vorjahre halten. Das zeigt, dass wir in den vergangenen Jahren unsere Hausaufgaben gemacht und unser Geschäft erfolgreich auf breitere Beine gestellt haben. In den direkt von uns beeinflussbaren Geschäftsfeldern – also Anleihen, Datenvertrieb, Verwahrgeschäft in Prag sowie IT-Dienstleistungen – hat unsere Strategie klare Erfolge eingefahren“, sagt Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse AG.

Heimo Scheuch, Aufsichtsratsvorsitzender der Wiener Börse AG & CEO der Wienerberger AG, verweist auf die weiterhin hohen Entwicklungsmöglichkeiten der Wiener Börse: „Mehr als jede vierte Person in Österreich besitzt bereits Wertpapiere. Das Potenzial des Kapitalmarktes ist aber längst nicht ausgeschöpft, rund 1,6 Millionen weitere Menschen haben Interesse an einem Wertpapier-Investment. Österreichs Haushalte verfügen über rund 330 Milliarden Euro an Bargeld oder niedrigverzinsten Einlagen. Hier muss die Politik nachziehen und Anreize schaffen, um privates Kapital noch stärker zu mobilisieren. Dieses ist für eine erfolgreiche grüne Transformation unabdingbar.“

Gedämpfte Handelsumsätze kompensiert

Das Geschäftsjahr 2023 war von geopolitischen Unsicherheiten sowie hohem Zins- und Inflationsniveau geprägt. Der Aktienumsatz der Börsengruppe verringerte sich zwar auf 66 Mrd. EUR (Wien: 54 Milliarden Euro, Prag: 12 Milliarden Euro), nach 87 Milliarden Euro im Jahr 2022. Doch trotz des verminderten Handelsaufkommens blieb der Konzernumsatz 2023 mit 78,9 Millionen Euro auf dem hohen Niveau des Vorjahres (2022: 80,0 Millionen Euro). Dies ist auf die erfolgreiche Entwicklung der anderen Geschäftsbereiche der Börsengruppe zurückzuführen, insbesondere auf Erlöse aus dem Central Securities Depository (CSD) Prag, das für das Verwahrgeschäft in Tschechien zuständig ist. Das 2023 erzielte Ergebnis vor Steuern (EGT) blieb mit 47,9 Millionen Euro stark (2022: 47,3 Millionen Euro ). Das Eigenkapital steigerte sich auf 177,9 Millionen Euro (2022: 170,0 Millionen Euro ), der Jahresüberschuss 2023 lag mit 36,4 Millionen Euro ebenfalls auf dem guten Vorjahresniveau (2022: 36,5 Millionen Euro ). Per Ende Dezember 2023 beschäftigte die Börsengruppe 165 Mitarbeitende (Vollzeitäquivalente).

Grüne Investitionen im Trend

Die Wiener Börse verstärkt ihren Fokus auf den Bereich nachhaltiger Investmentmöglichkeiten und begleitet damit aktiv den Wandel in Richtung einer grünen Wirtschaft. Seit 2020 ist sie Teil der „Sustainable Stock Exchanges Initiative“ und bekennt sich freiwillig dazu, im Dialog mit Investorinnen und Investoren, Unternehmen und den Aufsichtsbehörden langfristige und nachhaltige Investments sowie die Offenlegung von ESG-Kennzahlen zu fördern.

Das speziell für nachhaltige Anleihen konzipierte Vienna ESG Segment erfährt laufendes Wachstum: Im Vorjahr wurde die 100er-Marke an gelisteten Anleihen übersprungen, deren Volumen von über 27 Mrd. EUR in die Transformation der Wirtschaft fließt. Emittenten unterstützt die Wiener Börse mit einem Leitfaden für die nichtfinanzielle Berichterstattung, der spezifische Anforderungen sowie regulatorischen Vorgaben beinhaltet. Zudem werden die Unternehmensleistungen im ESG-Bereichmit aktiven Kommunikationsmaßnahmen vor den Vorhang geholt. Große ATX-Unternehmen werden diesbezüglich von führenden Rating-Agenturen in ihren Sektoren oftmals als „Best in Class“ geführt. Dennoch bleibt der Appell, den Kapitalmarkt noch stärker für die grüne Transition und andere wesentliche gesellschaftliche Herausforderungen zu nutzen, aufrecht.

ATX TR erklimmt neues Allzeithoch

Die Wiener Börse war 2024 bislang mit Rückenwind unterwegs und blickt im Anleihen-Bereich mit 4.967 (Stand 21. Mai 2024) Neu-Listings auf den historisch besten Jahresstart zurück. Der Vienna MTF hat sich mittlerweile als Europas aktivster Anleihen-Listing-Platz im börsenregulierten Segment etabliert. Ebenfalls positiv in den Umsätzen nieder schlägt sich die im März vollzogene Umstellung des Handelsverfahrens für österreichische Bundesanleihen im Sinne einer fortlaufenden Auktion, wodurch diese ganztägig an der Wiener Börse handelbar sind. Bezogen auf Aktien-Neuemissionen orten Analysten aufgrund rückläufiger Inflationsraten und einer absehbaren Trendumkehr bei den Leitzinsen ein positiveres Marktumfeld und einen möglichen Auftrieb für europäische Börsen. Der ATX Total Return, der wie der deutsche Leitindex DAX die Dividenden einbezieht, schraubte sein bisheriges Allzeithoch vom 9. Februar 2022 (8.251,98) im Jahr 2024 gleich mehrmals nach oben (zuletzt am 21. Mai 2024 mit 8.566,58 Punkten).

„Österreichische Aktien sind aufgrund ihrer günstigen Bewertungen und traditionell hohen Dividendenrenditen für Anlegerinnen und Anleger interessant. Insgesamt brauchen wir aber eine Stärkung des Kapitalmarkts auf nationaler wie europäischer Ebene. Im globalen Wettbewerb verlieren wir, vor allem gegenüber den USA, zunehmend an Boden. Um konkurrenzfähig zu bleiben, brauchen wir substanzielle Liquiditätspools für die Eigenkapitalfinanzierung, die wir nur durch einen Ausbau der betrieblichen und privaten Pensionsvorsorge füllen können“, fordert Boschan.

(pi)

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